Sind ihre Versprechungen dein Geld wert? 

In diesem Artikel enthüllt:

  • der Denkfehler, der vielen E-Drummern bei gekauften Download-Kits passiert
  • wie sieben Faktoren zusammen wirken, um einen (teilweise erheblichen) Klangunterschied an deinem Set gegenüber dem Demo-Video zu erzeugen
  • warum Download-Kits gut sind – und wie sie sich für dich wirklich bezahlt machen

Fetter Sound, geil gespielt, super Bild: das Demo-Video des Anbieters hat dich endgültig überzeugt!  In freudiger Erwartung kaufst du dir ein oder gleich mehrere Download-Kit(s) für dein E-Drum-Modul, lädst sie ein, setzt die Kopfhörer auf und fängst an zu spielen.

Und dann holt dich die Realität auf den Boden: Kein Bums in den Bässen, kein Knack in den Höhen, kein Aha-Effekt.

Irgendwie entspricht es nicht deinen Erwartungen. Es klingt nicht wie im Demo-Video. Nicht bloß „anders“, sondern schlicht und ergreifend „schlechter“. Dich beschleicht ein ungutes Gefühl und die Schlussfolgerung liegt nahe:

„Die haben mich hier reingelegt, Freunde!“

Kommt dir bekannt vor? Wenn ja – keine Panik! Ich verstehe deine Situation und ich kann dich beruhigen: es ist unwahrscheinlich, dass du hereingelegt wurdest.

Viel wahrscheinlicher ist, dass du gerade einen Denkfehler machst, der vielen E-Drummern passiert.

Download-Kits können nämlich zwar einen ausgezeichneten Ausgangspunkt darstellen, um dich beim Entwickeln eines eigenen Sounds zu unterstützen; sie sind allerdings nicht das Ende deiner Sound-Reise!

Das können sie auch gar nicht sein, denn ein Anderer als du hat sie programmiert! Der Programmierer hat, ob er wollte oder nicht, sein Können, seine Erfahrung, seine Vorlieben und seinen Stil in die Kits einfließen lassen. Er wird sich in jedem dieser Punkte mehr oder weniger deutlich von dir unterscheiden (wobei Begriffe wie „besser“ oder „schlechter“ hier völlig ohne Wert sind) und somit ist es unmöglich, dass ein gekauftes Download-Kit auf Anhieb deinen Erwartungen entspricht.

Sind Download-Kits also letztlich sinnlos?

Ist der Denkfehler – die Verwechslung von Anfang und Ende – ein Grund für einen Anbieter von Download-Kits, dir mittels eines aufgemotzten Demo-Videos eine Mogelpackung anzudrehen?

Wenn dem so wäre, müsste der Anbieter einen beträchtlichen Aufwand mit dem „Fälschen“ der Sounds treiben, damit die Download-Kits im Demo-Video gut genug rüberkommen, um dich damit in die Falle zu locken.

Dem Anbieter bliebe also nichts an Aufwand erspart – so oder so erfordern Download-Kits eine Menge Arbeit. Da ist es doch deutlich besser und zielführender, gleich auf gute Kits zu fokussieren; gute Kits = zufriedene Kunden = gutes Geschäft = Win-Win. Einfach.

Deshalb kannst du beruhigt voraussetzen, dass zumindest Gear Force One dir in Demo-Videos genau den Sound präsentiert, der am Ausgang des Drum-Moduls anliegt. Ohne weitere Klangbearbeitung oder Effekte.

Warum klingt es aber dann so anders, wenn du genau diese Kits an deinem Set spielst? Die Antwort mag dich überraschen:

Nicht weniger als sieben Faktoren entscheiden darüber, wie der Sound wirklich entsteht!

Wenn du diese sieben Faktoren kennst und mit ihnen umgehen kannst, bist du bereit, aus einem gekauften Download-Kit DEIN Kit zu machen.

Lies also unbedingt bis zum Ende und setze die Erkenntnisse in die Praxis um. Damit verbesserst du deine Situation nicht nur jetzt, sondern auch für zukünftige Download-Kits.

Es ist nämlich grundsätzlich eine feine Sache, fertige Kits für deine E-Drums zu erwerben, die von Profis programmiert wurden, um dir Arbeit und Zeit zu sparen. Indem du diese Download-Kits auf deine persönliche Situation optimierst, sorgst du dafür, dass sich dein investiertes Geld wirklich bezahlt macht.

Also: schnall‘ dich an, wir heben ab!

SO FLIEGST DU VON EINEM DOWNLOAD-KIT ZU DEINEM KIT!

Mit den richtigen Anpassungen kommst du ans Ziel

Im Folgenden wirst du die sieben wichtigsten Faktoren kennenlernen, die für dein endgültiges Klangerlebnis verantwortlich sind. Sie sind unterschiedlich gewichtet und greifen ineinander, so dass es sinnvoll ist, sich um möglichst viele der Faktoren zu kümmern und sie so gut anzugleichen wie möglich.

Nachdem du die ersten sechs Faktoren kennengelernt hast, wird dir der siebte Faktor wahrscheinlich maximalen Schub bringen…

Faktor 1: Der Kopfhörer

Falls du nicht über Kopfhörer, sondern mit einer Monitorbox oder einer PA deinen Sound abhörst, gilt das Folgende ebenfalls – es kann sich allerdings sogar noch krasser auswirken. In den allermeisten Fällen wird jedoch der Kopfhörer eingesetzt.

 Auch ohne auf die verschiedenen Bauweisen von Kopfhörern einzugehen und mit Fachbegriffen wie Impedanz oder Impulstreue um sich zu werfen, dürfte klar sein, dass es keine zwei Kopfhörer-Modelle gibt, die gleich klingen. Tatsächlich passen manche Kopfhörer zu bestimmten Modulen auch besser als zu anderen Modulen – das hängt wiederum mit dem im Modul eingebauten Kopfhörer-Verstärker zusammen.

Wesentlich für den klanglichen Unterschied zwischen einem Demo-Video und dem Klang-Erlebnis an deinem Set ist jedoch, dass der Programmierer beim Erstellen der Download-Kits einen bestimmten Kopfhörer verwendet hat – und dass dieser Kopfhörer wahrscheinlich ein anderer ist als deiner.

Jeder Kopfhörer hat bestimmte Klang-Eigenschaften. Während einige Modelle die Maßgabe erfüllen sollen, möglichst ausgeglichen und neutral zu klingen, um als Referenz herhalten zu können, wollen wir E-Drummer etwas ganz Anderes, nämlich, dass es rappelt im Karton! Unsere Kopfhörer weichen daher in Puncto Linearität mehr oder weniger deutlich von der Ideal-Linie ab, etwa mit einer (gewollten!) Überbetonung der Bässe (für mehr „Pfund“) oder der Höhen (für mehr „in-the-face“).

Hat also der Kopfhörer des Programmierers beispielsweise eine große Präsenz in den Höhen, wird der Programmierer bei der Sound-Bearbeitung etwa der Crashes die Höhen am Equalizer nicht extrem anheben. Wenn dein eigener Kopfhörer dagegen in den Höhen zurückhaltend ist, werden die Crashes bei dir eher dumpfer klingen – nicht unbedingt schlechter, aber auf jeden Fall anders.

Um dem Kopfhörer-Faktor zu begegnen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zuerst sei gesagt, dass du dir beim Betrachten eines Demo-Videos genau den Kopfhörer aufsetzen solltest, den du auch beim Spielen deiner E-Drums verwendest. Verzichte auf alle Effekte deiner Soundkarte bzw. deines Interfaces. Kein EQ, keine Presets, alles auf Neutral!

Die einfachste Methode: benutze den Original-Kopfhörer
Finde heraus, welchen Kopfhörer der Programmierer beim Erstellen deiner Download-Kits benutzt hat und besorge dir diesen Kopfhörer. Damit stellst du zumindest sicher, dass du hörst, was der Programmierer gehört hat. Dieses Verfahren hat allerdings mehrere Nachteile:

  1. Du musst erst einmal herausfinden, welcher Kopfhörer überhaupt benutzt wurde! Abgesehen davon, dass nicht jeder Anbieter von Download-Kits den verwendeten Kopfhörer nennt, können es verschiedene Modelle sein, selbst, wenn du mehrere Download-Kits desselben Anbieters erwirbst. Du willst dir aber keine ganze Batterie an verschiedenen Kopfhörern zulegen, weil es viel sinnvoller ist, nur ein Modell zu haben, dieses aber in- und auswendig zu kennen und genau zu wissen, wo seine Stärken und Schwächen liegen.
  2. Es ist ohne Weiteres denkbar, dass dir der vom Programmierer benutzte Kopfhörer überhaupt nicht zusagt. Vielleicht ist er dir viel zu stramm oder zu locker; vielleicht magst du das Klangbild grundsätzlich nicht; vielleicht wurde ein Kopfhörer in offener Bauweise benutzt, aber du brauchst oder willst einen geschlossenen Kopfhörer. Es hat keinen Sinn, einen Kopfhörer nur deshalb zu wählen, weil ein anderer ihn benutzt. Du musst dich wohlfühlen mit deinem Equipment!
  3. Ist dein E-Drum-Modul schon älter? Nichts spricht gegen gute gebrauchte Geräte – allerdings ist es durchaus möglich, dass es den Kopfhörer, mit dem die Download-Kits für dein älteres Modul erstellt wurden, gar nicht mehr gibt. Einen bestimmten gebrauchten Kopfhörer in gutem Zustand und mit intakten Ohrmuscheln zu finden, ist nicht so einfach. (Das ist bei Studio-Kopfhörern, die seit Jahren und Jahrzehnten als Referenz-Kopfhörer eingesetzt werden, anders.)

Wenn du bisher mit einem mäßigen Kopfhörer gearbeitet hast („Ich nehme erstmal den hier, den hatte ich noch übrig“…), dann ist vielleicht jetzt der Zeitpunkt gekommen, in einen für dich guten Kopfhörer zu investieren. Ideal machst du das in einem Geschäft, in dem dein E-Drum-Modell bereitsteht oder du zumindest dein Modul mitbringen und anschließen kannst. Teste dann verschiedene Kopfhörer (der Verkäufer wird dir helfen) und vergleiche sie untereinander und auch mit deinem bisherigen Kopfhörer.

Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen: wenn der Kopfhörer für dich gut klingt, genügend Lautstärke an deinem Modul liefert und auch nach längerer Zeit angenehm zu tragen ist, bist du grundsätzlich schon gut dabei. In der Preisklasse von 100 € bis 300 € solltest du einen Kopfhörer finden, der dir auf Jahre Spaß bringen und als Referenz dienen kann. (Du kannst, wie fast immer, natürlich auch deutlich mehr Geld loswerden…)

Du hast deinen Kopfhörer am Start – jetzt geht es an die Master-Einstellungen

Wenn du davon ausgehst, dass der Programmierer für alle Download-Kits einer Serie oder für ein bestimmtes Modul denselben Kopfhörer verwendet hat, folgt daraus, dass Klangabweichungen gegenüber deinem eigenen Kopfhörer prinzipiell konstant sind.

Ein Beispiel: dein Kopfhörer liefert von Haus aus eher wenig betonte Bässe und die Download-Kits haben in den tiefen Frequenzen einfach zu wenig „Power“, um dich zum Grinsen zu bringen.

Was tun? Sieh nach, ob dein Modul über eine Master-Sektion verfügt, mit der du Klangeinstellungen vornehmen kannst, die alle Kits auf einmal betreffen. Wenn du hier am Equalizer (EQ), die Bässe anhebst, bekommen alle Kits einen bassigeren Sound. Das wird bei einigen Kits besser funktionieren als bei anderen. Probiere es aus und experimentiere ein wenig herum.

Wenn es keine Gesamt-Master-Sektion gibt, hat aber vielleicht jedes einzelne Kit eine Master-Sektion, die auf das Klangbild des gesamten Kits Einfluss hat. In dem Fall ziehst du wiederum am EQ die tiefen Frequenzen etwas hoch. Die individuelle Regelung an jedem Kit hat den Vorteil, dass du die Anpassung genauer abstimmen kannst.

Profi-Tip: Zuerst das Kit kopieren!

Bevor du an den neu erworbenen Download-Kits irgendwelche Einstellungen veränderst, solltest du die Kits an einen freien Speicherplatz kopieren. Du kannst dann nämlich an der Kopie herumbasteln, während das Original als Backup erhalten bleibt. Solltest du mit deinen Einstellungen über das Ziel hinaus schießen, dann kopierst du das Original einfach erneut und beginnst von vorn. Auf diese Art kannst du problemlos beliebig viele Fehlstarts hinlegen – super vor allem, wenn du noch unerfahren mit der Materie bist!

Faktor 2: Die Panorama-Einstellungen

Es wird oft stark unterschätzt, wie wichtig die Panorama-Einstellungen sind. Das liegt womöglich daran, dass dieser Bereich mit nur einem Regler eingestellt wird und somit sehr einfach zu bedienen ist: das Instrument wird lediglich auf einer Hör-Achse irgendwo zwischen ganz links und ganz rechts positioniert.

Warum ist Panorama (PAN) so wichtig? Für dich als E-Drummer gilt: du willst den Sound von da hören, wo du hinschlägst! In Zusammenarbeit mit den Ohren ist unser Gehirn äußerst gut im Orten von Klangquellen. Ein Sound, der links klingt, obwohl du ihn auf einem rechten Pad getriggert hast, irritiert das Gehirn, was zur Folge hat, dass der Sound sofort als „schlecht“ bewertet wird, selbst, wenn er es gar nicht ist.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Programmierer deiner Download-Kits ein Set hatte, das vom Aufbau her von deinem Set abweicht. Die Positionen der einzelnen Instrumente dienten dem Programmierer als Maßgabe für die Panorama-Einstellungen. Eine Gemeinsamkeit gibt es lediglich bei der Bass Drum und der Snare Drum. Diese gehören im Klangbild grundsätzlich in die Mitte (das hat gute Gründe, die an dieser Stelle aber nicht näher erläutert werden müssen), und da wird der Programmierer sie auch platziert haben.

Aber was ist zum Beispiel mit einem Splash Cymbal? Viele Drummer positionieren es genau vor sich mittig über den Toms; viele andere Drummer haben es links über der Hi-Hat hängen. Ein links aufgehängtes Splash, dass du in der Mitte hörst, kann dein Gehirn noch verkraften, da es Sounds aus der Mitte (=Mono) gewohnt ist. Aber ein mittig aufgehängtes Splash, dass von links klingt? Gar nicht gut.

Die einzig sinnvolle Methode: Panorama in jedem Kit anpassen

Wie bereits erwähnt, solltest du die Download-Kits zuerst an einen freien Speicherplatz kopieren und vielleicht umbenennen (etwa mit einem Ausrufezeichen vor dem Kitnamen – die kleinste Änderung genügt, damit du „deine“ Download-Kits von den Originalen unterscheiden kannst).

Nun musst du dich einmal durcharbeiten: in jedem Kit änderst du bei jedem Instrument die PAN-Einstellung so, dass der Sound direkt aus dem jeweiligen Instrument zu kommen scheint.

Layer-Sounds nicht vergessen!
Je nach Modul kann der endgültige Sound aus mehreren Einzel-Sounds bestehen. Wenn du zum Beispiel zwei Snare-Sounds zusammenbringst, spricht man von zwei Layern („Schichten“) des Sounds. Falls dein Modul die getrennte PAN-Einstellung für jedes Layer zulässt, musst du natürlich auch für jedes Layer die Korrektur vornehmen!

Head & Rim
Dual-Pads oder Triple-Zone-Pads lassen unterschiedliche Sounds auf verschiedenen Zonen der Spielfläche zu. Vergiss also nicht zu prüfen, ob du die PAN-Einstellungen jeweils für die verschiedenen Zonen vornehmen musst. Wenn dein Modul über einen Schalter die Bearbeitung aller Zonen gleichzeitig zulässt, greift eine einzige Einstellung für alle Zonen, was die Korrektur vereinfacht.

Hinweis für Linkshänder

Denke daran, dass es nicht damit getan ist, einfach den Kopfhörer umzudrehen, um das Panorama anzupassen. Du müsstest auch bei einem spiegelverkehrten Kopfhörer davon ausgehen, dass der Aufbau des Sets des Programmierers nicht deinem Aufbau entspricht.

Wenn du aber eh die Einstellungen anpassen musst, dann lohnt sich kein halbherziger Pfusch. Hier ist professionelles Arbeiten mit einer klaren Linie angezeigt; nimm also die Einstellungen gleich richtig vor, bei korrekt aufgesetztem Kopfhörer.

Faktor 3: Die Pads

Gummi-Pads, flache Mesh-Head-Pads oder akustische Kessel mit Mesh-Head – sie alle sind zwar deutlich leiser als akustische Trommeln, erzeugen aber trotzdem Geräusche mit eigenem Charakter.

Das kann problematisch sein, wenn der Pad-eigene Sound doch recht laut ist oder zumindest in einem bestimmten Frequenzbereich deutlich (und nervig) hervorsticht. Solche Geräusche sind nämlich durchaus in der Lage, sich durch deinen Kopfhörer zu bohren und sich mit dem Drum-Sound deines Moduls zu mischen. Dass sich so ein Pad-Sound harmonisch in das elektronische Signal einfügt, ist die Ausnahme – meistens überlagert der Pad-eigene Sound den elektronischen Sound, so dass dieser verfälscht wird.

Das muss übrigens keinesfalls nur für dein Set gelten – dieser Situation war möglicherweise bereits der Programmierer an seinem Set ausgesetzt, und er hat um die Nebengeräusche herum programmiert.

Aber das spielt letztlich keine Rolle. Der springende Punkt ist nämlich: im Demo-Video sind die Nebengeräusche nicht zu hören, denn es wurde ja nur das Audio-Signal direkt aus dem Modul aufgezeichnet! Du dagegen hörst die Nebengeräusche, wenn du spielst. Kein Wunder, dass es unterschiedlich klingt!

Je leiser du deine E-Drums drehst, desto deutlicher macht sich dieser Effekt bemerkbar. Es liegt zwar nahe, einfach lauter zu drehen, aber du willst dir weder die Ohren müde spielen, noch dein Gehör gefährden.

Versuche als erstes, eine gute Balance zu finden: leise genug, um gefahrlos und ermüdungsfrei lange spielen zu können, aber laut genug, um alles deutlich und möglichst ohne Nebengeräusche zu hören.

Danach kannst du bei Bedarf noch tiefer in die Trickkiste greifen. Bei Gummi-Pads ist leider nicht so viel zu machen; du könntest probieren, mit einem anderen Drumstick, der leichter ist und/oder einen anderen Tip (=Stockspitze) hat, das Aufprallgeräusch des Sticks auf das Pad zu reduzieren. Achte aber darauf, dass du dich beim Spielen mit einem anderen Stick immer noch wohlfühlst!

Bei Mesh-Head-Pads kannst du zunächst einmal überprüfen, ob du das Fell stärker anspannen kannst, um das Anschlaggeräusch zu „stimmen“ und es zu verkürzen. Das darf natürlich nicht zu Fehltriggern führen, aber in der Regel hast du einen gewissen Spielraum und kannst vielleicht eine spürbare Verbesserung erzielen.

Kessel mit Mesh-Heads (auch solche mit halber Kesseltiefe) neigen zu Resonanzen, die in den unteren Mittenfrequenzen nerven und auch noch nachschwingen können. Hier hast du aber Platz zum Dämmen des Kessels (Geschirrtuch o.ä.) – und das kann wahre Wunder wirken! Achte dabei darauf, dass du die Elektronik im Pad unberührt lässt, um auch hier Fehltrigger zu vermeiden.

Letzter Punkt: das ganze Set auf dem Boden. Pads, Stative, Fußmaschine – all das schwingt beim Spielen und es regt die Umgebung zum Mitschwingen an (Trittschall). Ein fester schwerer Betonboden leitet dabei weniger gut und isoliert somit den Schall besser als eine Holzdiele, die womöglich noch einen resonierenden Hohlraum unter sich hat.

Am Boden selbst kannst du nichts ändern, allerdings kannst du eine Zwischenschicht einlegen, die dein Drumset vom Boden akustisch zumindest etwas entkoppelt. Die Rede ist vom Drum-Teppich, der nicht nur Geräusche dämpft, sondern auch den Boden darunter schont, dir Markierungen mit Gaffa-Tape ermöglicht und Halt für Klettband gibt, mit dem du deine Fußmaschine bombenfest fixierst.

Wenn du also dein Drumset bisher ohne Teppich aufgestellt hast: jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das zu ändern! Dicke schwere Ware hemmt die Verbreitung von Trittschall besser als dünne leichte.

Übrigens: ein Teppich hat zwar viele Vorteile – aber er kann nicht das Problem der Lärmbelästigung durch E-Drums in einer Wohnung lösen. Wir reden hier ja lediglich davon, den Eigengeräuschen und Resonanzen der Pads mit einfachen Mitteln entgegenzuwirken, damit sie sich weniger stark im Raum ausbreiten und in geringerem Maße durch deinen Kopfhörer dringen.

A propos Raum…

Faktor 4: Der Raum

Schonmal Schlagzeug in einer Flugkabine gespielt? Oder in der Wartehalle am Gate? Sicherlich nicht (und wenn doch: Respekt!), aber du kannst dir sicherlich auch so vorstellen, dass ein Schlagzeug an diesen beiden Orten ganz anders klingt und auch ganz anders in der Lautstärke wirkt. (Wie du inzwischen weißt, gilt das auch für deine E-Drums und auch dann, wenn du die Kopfhörer aufhast.)

Das hat damit zu tun, wie sehr sich der erzeugte Schall ungehindert ausbreiten kann. In einer Halle legt der Schall erst einmal relativ viel Weg zurück, bevor er an einer harten Wand oder Decke zurückgeworfen wird. Dabei büßt der Schall etwas Energie ein, kann jetzt aber wiederum relativ ungestört zur nächsten Wand reisen, bevor er erneut reflektiert wird und weitere Energie verliert. Es dauert also eine gewisse Zeit, bevor der erzeugte Schall verklingt. Der Sound ist laut und hallig, weil der Raum groß, hart und leer ist.

Ganz anders die Flugkabine: ein kleiner niedriger Raum, vollgestopft mit weichen verwinkelten Sitzen. Ausgesetzter Schall trifft praktisch umgehend auf absorbierende und umlenkende Flächen; der Energieverlust führt deutlich schneller zum Verklingen und es wirkt alles deutlich leiser.

Mit anderen Worten: der Klang des Raumes, in dem du spielst, dringt unter Umständen ebenso durch deine Kopfhörer wie der Klang der Pads – und zwar umso deutlicher, je größer, härter, leerer, also „lauter“ der Raum ist.

Dieses gedankliche Beispiel kannst du nun auf deine Wohnung übertragen. Die Eigengeräusche der Pads sowie der Raumklang werden im Treppenhaus wesentlich mehr verstärkt als etwa in deinem Schlafzimmer. Das bedeutet, dass du diese Nebengeräusche beim Spielen im Treppenhaus viel deutlicher als Überlagerung über den eigentlichen Drumsound wahrnimmst, als das im Schlafzimmer der Fall wäre.

Auch, wenn du höchstwahrscheinlich nicht im Treppenhaus spielst, hast du jetzt ein klareres Bild über den Faktor Raum als mögliche Störquelle für deinen Sound und den Unterschied zum Demo-Video. Falls du einen kleineren weicheren Raum hast, um dein E-Drumset umzuziehen – es ist den Versuch wert, wenn störende Nebengeräusche in deinem Fall ein Thema sind!

Faktor 5: Die Trigger-Einstellungen

Nach all diesen Äußerlichkeiten geht es nun langsam an die inneren Faktoren, die direkt mit deinem Spiel zu tun haben. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Trigger-Einstellungen als Schnittstelle zwischen dem, was du dem E-Drumset mit deinem Spiel hineingibst und dem, was aus dem Instrument herauskommt.

Es kann nicht oft genug wiederholt werden: Deine E-Drums müssen sich immer nach dir richten – niemals umgekehrt! Es darf zum Beispiel nicht passieren, dass aufgrund schlechter Trigger-Einstellungen die Bass Drum doppelt auslöst, wenn du stärker trittst – und du deshalb (gegen dein Inneres!) die Bass Drum extra vorsichtig spielst.

Die Lösung kann nur sein, dass du die Trigger-Einstellungen so lange bearbeitest, bist sie optimal auf dein Spiel eingestellt sind!

Der Programmierer deiner Download-Kits wird die für ihn perfekten Trigger-Einstellungen vorgenommen haben. Er spielt im Demo-Video entsprechend losgelöst und egal, wie gut oder schlecht er als Drummer im Vergleich zu dir ist – wenn er im Demo-Video losgelöst spielt, klingt es auch losgelöst, und wenn du an deinem Set aufgrund schlechter Trigger-Einstellungen nicht losgelöst spielen kannst, kannst du auch nicht erwarten, dass es bei dir losgelöst klingt.

Also – an die Arbeit! Denke daran, dass Trigger-Einstellungen zwar nervig und komplex sein können – aber du musst sie nur einmal von Grund auf vornehmen. Und: es lassen sich tatsächlich die allermeisten Trigger-Probleme in den Griff bekommen, da es für praktisch alle Eventualitäten einen Parameter gibt, den du regeln kannst.

Faktor 6: Spielen vs. Hören

Der Co-Pilot sitzt zwar auch im Cockpit, aber es ist der Pilot, der fliegt…

Da du Schlagzeug spielst, weißt du, dass es etwas ganz anderes ist, zu spielen, als nur zu hören. Den selbst erzeugten Sound kannst du gar nicht so genau auf seine Qualität hin analysieren, weil du mit Spielen beschäftigt bist. Aber du fühlst, wie der Sound mit der Bewegung, der inneren Intention, dem Widerstand der Spielfläche, der Schwingung des Instruments, kurz: mit Aktivität einhergeht.

Wenn du dagegen entspannt bei einer Tasse Kaffe in den Monitor schaust und ansonsten passiv bist, nimmst du die gehörten Sounds ganz anders wahr, selbst, wenn es dieselben Sounds sind, die du eben noch aktiv erzeugt hast. Du kannst den Klang passiv zwar viel genauer bezüglich seiner Qualität analysieren, aber es fehlt das aktive Spielgefühl.

Es gibt bei Spielen vs. Hören keine wirkliche Annäherung an einen gemeinsamen Nenner und es wird deutlich, warum auch dieser Faktor dazu beiträgt, dass im Demo-Video wahrgenommene Download-Kits ganz anders wirken können, als wenn du diese Kits selbst spielst.

Nachdem das geklärt ist, bleibt noch ein Faktor übrig. Es ist der Faktor, der so offensichtlich und selbstverständlich ist wie der Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht…

Faktor 7: Du, der Drummer!

Es kursiert die Geschichte dieses großartigen Gitarristen, der im Laden einige Gitarren antestet. Während er so vor sich hin spielt, Melodien, Akkorde, Licks, Phrasen, kommt ein Ladenbesucher daher, hört ein wenig zu und und sagt dann: „Mensch Alter, die Gitarre klingt ja vielleicht geil!“

Daraufhin stellt der Gitarrist die Gitarre in den Ständer zurück, sieht den Besucher an und fragt:

„Und – wie klingt sie jetzt?“

Du kannst den Gitarristen beliebig austauschen durch einen Pianisten, einen Bassisten – und selbstverständlich auch einen Drummer. Die Moral der Geschichte ist einfach:

Es ist der Musiker, der klingt, nicht das Instrument!

Im Falle von Download-Kits ist es ganz leicht, diese Aussage zu unterstreichen. Abgesehen von den eben erläuterten Faktoren habt du und der Programmierer deiner Download-Kits nämlich exakt das gleiche Instrument! Es gibt nicht einmal Qualitäts-Toleranzen im Sound aufgrund von dünnerem Holz, anderer Lackierung oder schief gewickelten Pickups zu berücksichtigen. E-Drums sind eine digitale Angelegenheit und reproduzieren stoisch, was der Spieler reingibt. 

Wenn du also die Perspektive entsprechend änderst, wird dir klar, dass die Download-Kits im Demo-Video weniger nach den Kits klingen – sondern vielmehr nach dem Drummer, der sie im Video spielt!

Und wenn du diesen Gedankengang weiter gehst, kommt schnell die Erkenntnis, dass dieselben Download-Kits nach dir klingen, wenn  du sie spielst!

Es geht gar nicht anders. Du wirst eine andere Körperkraft haben als der Demo-Drummer. Du wirst andere musikalische Vorlieben und Einflüsse haben als der Demo-Drummer. Vielleicht spielst du in einer anderen Liga als der Demo-Drummer. All das führt dazu, dass du mit denselben Kits anders klingen wirst.

Es gibt dabei übrigens kein „besser“ oder „schlechter“, weil jeder Drummer einzigartig ist. Zwei Drummer derselben Liga werden dieselben Kits ebenso unterschiedlich klingen lassen, wie zwei Drummer, die in unterschiedlichen Ligen spielen.

Betrachte Download-Kits, die von Profis programmiert wurden, also als gute Instrumente in dem Sinne, dass sie deinen Sound gut darstellen können.

Fazit

Gute Download-Kits sind grundsätzlich die Investition wert. Wenn gekaufte Download-Kits bei dir ganz anders klingen und wirken als im Demo-Video, dann liegt es nicht daran, dass du hereingelegt wurdest. Du hast lediglich aufgrund eines Denkfehlers das Ende mit dem Anfang verwechselt:

Du kaufst mit Download-Kits kein Ergebnis –

du kaufst einen Ausgangspunkt für die Entwicklung deines Sounds.

Dabei sind mehrere Faktoren, sowohl jeder für sich, als auch im Zusammenspiel, dafür verantwortlich, wie dein Sound (technisch) entsteht.

Der entscheidende Faktor aber ist, was du in das Instrument hineingibst. Jedes Instrument, egal, wie es programmiert wurde, klingt, sobald du es spielst, vor allem nach dir. Optimiere also gekaufte Download-Kits nach deinen Bedürfnissen, damit sie optimal nach dir klingen.

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